Schweriner Volkszeitung: Leihgaben verlassen Wiligrad
09.07.2008: Im Schloss Wiligrad spiegelt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf vielfältige Art und Weise wider. Allerdings fehlen jetzt Belege für zwei wichtige Geschehnisse: Eine Ausstellung zum 1945 hier verhandelten Gebietsaustausch zwischen britischer und sowjetischer Besatzungsmacht sowie ein Porträt des Bauherren, Herzog Johann Abrecht. Die Leihgeber waren mit der Präsentation unzufrieden.
SCHLAGSDORF/WILIGRAD - "Zeitensprünge" heißt das Projekt, mit dem zwölf Mädchen und Jungen von der Regionalen Schule Lübstorf sich 2004 auf eine Reise ins Jahr 1945 begaben. Im Geschichtsunterricht und mit Hilfe des Vereins Freunde des Wiligrader Schlosses erforschten sie die Geschehnisse nach dem Ende der Zweiten Weltkrieges. Denn als erste Besatzungsmacht bezog die 15. Schottische Division vorübergehend Quartier auf Schloss Wiligrad. Und der britische General Barber erhielt hier im Juni Besuch vom sowjetischen General Lyaschenko. Sie veränderten die zuvor in Jalta festgelegten Grenzen zwischen den Besatzungs- zonen. Denn die Grenze zwischen Mecklenburg und dem benachbarten Herzogtum Lauenburg war zwischen Lassahn und Schlagsdorf zu verwinkelt und unübersichtlich, so dass die Generäle Barber und Lyaschenko einen Gebietsaustausch vereinbarten. Diese neu gezogene Grenze hat bis heute Bestand.
Die Lübstorfer Schüler um Lehrerin Doris Möck besuchten Archive, befragten Zeitzeugen und dokumentierten ihre Forschungsarbeit auf sechs Schautafeln. Diese erhielten im Jahr 2004 einen Platz im Wiligrader Schloss, damit Besucher sich auch über die historischen Ereignisse am Ort des Geschehens informieren können. "Für diese Ausstellung wurde uns von der Schlösserverwaltung des Landes ein Korridor zugewiesen. Allerdings nutzt der Kunstverein diesen Raum auch als Abstellkammer, so dass die Schautafeln meist mit Stühlen oder Garderobenständern zugestellt waren", berichtet Sigrid Niemann, zweite Vorsitzende des Vereins Schlossfreunde, dem diese Exposition gehört. "Das war einfach unwürdig", macht Sigrid Niemann ihrem Unmut Luft.
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