Schweriner Volkszeitung: Dem Vergessen entreißen
01.03.2008: Krakower Schüler um Geschichtslehrerin Gabi Strübing setzen ihr vor einem Jahr begonnenes Projekt "Lass kein Gras darüber wachsen" fort. Die Forschungen gehören zur der Initiative "Zeitensprünge" der Demokratischen Jugend.
KRAKOW AM SEE - Nein, Gras wollen Katy Neumann (16), Falk Mannhoff (17) und die anderen Schüler im Team der "Zeitensprünge" nicht über regionale Geschichte wachsen lassen. Nach einem Jahr Forschung sind die Schüler heiß darauf, das Geheimnis eines zwischen Bossow und Neu Sammit gelegenen Gefangenenlagers zu lüften. Gras und dichtes Gestrüpp haben die Spuren der Vergangenheit zugedeckt. Aber mit viel Geduld, Fleiß beim Literaturstudium und nach dem Befragen von Zeitzeugen haben sich die Schüler Schritt für Schritt der Geschichte genähert.
Ausgangspunkt für das Projekt war das Gerücht, bei Neu Sammit habe es ein KZ-Außenlager gegeben. Dessen Häftlinge hätten in der letzten Kriegsphase für die Krakower Filiale des Rostocker Heinkel-Flugzeugwerks Einzelteile für die He 162, auch "Volksjäger" genannt, herstellen müssen.
"Aber die Spurensuche gestaltete sich schwierig. Manche Wege führten in die Irre, auch Zeitzeugen, die zu finden sehr mühsam war, konnten sich nicht genau erinnern", schildert Gabi Strübing einige Schwierigkeiten. So berichtete ein Zeitzeuge, der damals zehn Jahre alt war, von 50 bis 60 Meter langen, grün gestrichenen Baracken, in denen vermutlich englische oder amerikanische Offiziere untergebracht waren.
Gabi Strübing bescheinigt ihren Schülern eine große Ausdauer und viel Engagement im aktuellen Projekt. Motivation erfuhr das Team, als sich Erwin Sellering beim Jugend-Geschichtstag in Schwerin speziell für das Krakower Projekt interessierte. Der Sozialminister äußerte den Wunsch, bei einer Zeitzeugenbefragung dabei zu sein. "Das wird sich einrichten lassen", verspricht Katy Neumann. Noch stehen einige Befragungen aus. Ziel der jungen Forscher ist, Teile des Lagers während eines internationalen Camps frei zu legen und mit einer Stele an die Geschichte des Ortes und der Opfer zu erinnern.


