Märkische Allgemeine Zeitung: Jugend entdeckt die Vergangenheit
12.03.2008: Nuthetaler widmen sich alter Schule NUTHETAL
Jugendliche aus Nuthetal wollen Geschichte erkunden, die in keinem Lehrbuch zu finden ist. Sie begeben sich auf die Spur jener Vergangenheit, die sich in ihrer eigenen Heimat abspielte, springen quasi in die Zeit der Eltern und Großeltern zurück. Das Projekt - initiiert von der Stiftung "Demokratische Jugend" und unterstützt vom Brandenburger Bildungsministerium - nennt sich denn auch "Zeitensprünge". Großes Ziel: Die eigene Region näher bringen und bei den jungen Menschen Heimatgefühle wecken, um ihre Abwanderung zu verhindern.
Insgesamt werden in Berlin und Brandenburg 54 Jugendgruppen nach Wurzeln ihrer Region suchen. Die Nuthetaler "Zeitenspringer" wollen sich dabei einem ganz speziellen Forschungsobjekt widmen - der alten Schule in Bergholz. In dem 1894 erbauten Haus lernten viele Generationen aus Bergholz-Rehbrücke Mathe, Deutsch und Erdkunde. Die Idee, die Geschichte der alten Schule zu erforschen, hatten Nuthetals Jugendparlament und der Verein "Die Brücke", die beide in dem Gebäude sitzen. Am Donnerstag soll die Erforschung der Historie beginnen. Dann treffen sich erstmals die jungen Leute, um unter anderem einen Zeitplan für ihr Projekt aufzustellen. Wie sie der Geschichte des alten Gemäuers auf die Spur kommen wollen, weiß Jugendkoordinatorin Jana Köstel. Geplant ist, Interviews mit ehemaligen Lehrern und Schülern zu führen. Hilfe erhoffen sich die Jugendlichen auch von der Rehbrücker Ortschronistin Annett Böhm, die bereits einiges an historischen Dokumenten über die alte Schule in ihrem Bestand haben dürfte. Entstehen soll zudem ein kleiner Film. Mit der Video-Kamera werden die Räume und verborgenen Winkel erkundet und ein Zeitzeuge erklärt, was einst an diesen Orten los war. Der Bezug zur Gegenwart ist da: "Brücke e.V." hat seine Zelte in einem ehemaligen Klassenzimmer aufgeschlagen.
Aber auch künstlerisch wollen sich die jungen Leute dem Objekt ihrer Forschung nähern. Im Gespräch ist, eine historische Schulstunde in Form eines Theaterstücks nachzustellen, sagt Jana Köstel. In dem Werk soll auch die eine oder andere Anekdote aus alten Schulzeiten erzählt werden. Die Ergebnisse der Reise in die Vergangenheit wollen die Jugendlichen in einer Ausstellung präsentieren. Für ihre Entdeckungstour, die im November endet, bekommen sie 1100 Euro Fördermittel, eine Digitalkamera, ein Aufnahmegerät und T-Shirts, die sie als "Zeitenspringer" ausweisen, mit auf den Weg.
Dass die alte Schule ein Haus mit Zukunft ist, bleibt nicht ausgeblendet. Gewagt wird auch ein Blick nach vorn, um Antworten auf Fragen wie diese zu finden: Wie könnte die alte Schule einmal aussehen und wie könnte sie genutzt werden? Eine Antwort steckt schon im Titel des Nuthetaler Projekts: "Die alte Schule - vom Lernort zum Ort der Begegnung."



