Zunehmender Fachkräftemangel fordert neue Ansätze
22.11.2005: Durch die anhaltende Abwanderung hochqualifizierter junger Menschen könnte das Problem des erwarteten Fachkräftemangels in Brandenburg noch verschärft werden.
Das teilte die SPD-Landtagsabgeordnete Esther Schröder auf einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung am 17. November in Potsdam mit. Wissenschaftlichen Studien wie der "Brandenburger Fachkräftestudie - Entwicklung der Fachkräftesituation" zufolge drohe der Wirtschaft schon in einigen Jahren ein dramatischer Fachkräftemangel. Fast 200.000 gut ausgebildete Facharbeiter würden bis 2015 benötigt werden, so die Prognosen. Vor allem durch den demografischen Faktor, eine immer älter werdende Bevölkerung und eine deutlich abnehmende Zahl von Schulabgängern werden diese Entwicklungstendenzen verstärkt und das Thema in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Auf der Fachtagung mit dem Titel "Junge Leute braucht das Land - Wege und Chancen für den Stopp der demografischen Entwicklung in Brandenburg" ging es aus diesem Grund darum, neue Perspektiven und Möglichkeiten für junge Menschen in Brandenburg zu finden und diese gemeinsam mit Personen zu erörtern, die diese wichtige Gemeinschaftsaufgabe bereits erkannt haben. Denn um die Abwanderung zu stoppen und gleichzeitig die Zuwanderung von jungen Menschen zu aktivieren, seien Arbeitsplätze und Existenzsicherung nicht die einzigen Faktoren, so die einhellige Meinung der Veranstalter. Die Landtagsabgeordnete und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD wies vor diesem Hintergrund auf die verstärkte "Bringschuld" der Wirtschaft, aber auch auf die zunehmende Bedeutung von regionaler Initiative hin. Auch die so genannten "weichen Faktoren" wie die Lebensqualität würden in Bezug auf den Wegzug von Jugendlichen zunehmend eine Rolle spielen, so Schröder.
Dass nicht ausschließlich die fehlende Berufsperspektive schuld am anhaltenden Abwanderungstrend ist, sieht auch Heidemarie Rubart von der Stiftung Demokratische Jugend, so. "Weiche Haltefaktoren" wie Bindung an die Familie, Identifikation mit der Region, Heimatverbundenheit oder gesellschaftliches Engagement seien nicht zu unterschätzen, weder bei den Dagebliebenen, noch bei den Abwanderern, so die Leiterin der Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen - gemeinsam gegen Abwanderung" der Stiftung. In Zukunft könnten Maßnahmen gegen Wohnungsleerstand und Verödung ganzer Landstriche fast ebenso wichtig werden wie Erhaltung von Arbeitsplätzen. "Wer in seinem Lebensumfeld positive Rahmenbedingungen vorfindet, der geht weniger schnell weg." Die Stiftung hat aus diesem Grund hier einen Schwerpunkt ihrer Arbeit gesetzt. Sie unterstützt vielfältigste Jugendprojekte und Förderprogramme, die auf ganz unterschiedliche Weise Jugendliche abseits des Schulalltags zu Eigeninitiative ermutigen, sie durch Teamarbeit zu lokalem Engagement motivieren oder auch ihnen das Gefühl von Verantwortung vermitteln.
Auch in der so genannten "Dienel-Studie", "Zukunft für junge Menschen und Familien in Sachsen-Anhalt" der Hochschule Magdeburg/Stendal, werden die "weichen" Standortfaktoren hervorgehoben und als Schlüsselbedingungen regionaler Entwicklung betrachtet. Susanne Thies, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule erläuterte ausgewählte Forschungsergebnisse. "Weggehen und Wiederkommen" sei in diesem Zusammenhang auch die zentrale Botschaft, so die Expertin. Die weiteren Forschungsvorhaben der Hochschule werden sich aus diesem Grund verstärkt mit dem Thema Rück- und Zuwanderung beschäftigen.


