Zeitensprünge- Auftaktveranstaltung in Erfurt
22.09.2005: Das Augustinerkloster zu Erfurt liegt im strahlenden Licht einer spätsommerlichen Sonne. Es könnte keinen besseren Ort für die Auftaktveranstaltung des Programms Zeitensprünge geben als diese historische Anlage, in der schon Martin Luther wirkte.
(Text: Cornelia Lotthammer, Fotos: S. Marotz/ T. Hoppe)
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Augustinerkloster Erfurt |
Die Methoden zu historischer Geschichtsarbeit mit Jugendlichen sind jedoch hinreichend bekannt und so können Frau Dr. Braune und Herr Dr. Fauser von der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen sogleich in medias res gehen. Aus ihrem breiten Schatz an Wissen geben sie gerne ab an die Teilnehmer.
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Arbeitsgruppe |
Fragen zu den Projekten "Schmiedefeld als Urlaubsort des FDGB" oder "Die Bedeutung der Sole für die Gesundheit in Bad Sulza" beantworten sie mühelos. Doch auch Tipps, die gespeist sind aus ganz persönlichen Erfahrungen mit der DDR-Geschichte können die Seminarleiter geben. "Wie war das noch früher? Da wurden doch Hausbücher bei den Privatvermietern in den Urlaubsorten geführt? Schauen Sie doch da mal nach", meint Dr. Fauser spontan. Beim Thema "Freibadbau in Kirchheilingen" fällt Dr. Fauser ein, dass er selbst als Jugendlicher freiwillig an solch einer Baumaßnahme teilnahm. "Warum nicht die Ehrenamtlichen von damals aufstöbern und vielleicht auch Bauingenieure oder Architekten, die mitgewirkt haben?" Für jedes Projekt gibt es hilfreiche Hinweise. Nur beim Thema Archivsuche scheiden sich die Geister. Soll man als Projektleiter vorrecherchieren oder nicht?
Heike Cott aus Keula ist da sehr vorsichtig. Akten über noch lebende Personen möchte sie lieber nicht durch die Jugendlichen gefunden wissen. "Bei uns auf dem Dorf kennt doch jeder jeden." Deshalb geht sie vorher ins Archiv und legt das Material zurecht. Yvonne Zschegner von der integrativen Ganztagsgrundschule in Jena sieht das kritisch. "Man sollte den Kindern den Freiraum lassen. Unangenehme oder gar keine Funde sind Teil der Archivarbeit, dann muss man eben improvisieren." Doch ihre Zeitenspringer gehen in die 4. Klasse und sind somit auch erheblich jünger.
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Auftaktveranstaltung Erfurt |
In der Pause gibt es zur Belohnung fürs Zuhören eine Führung durchs Kloster auf den Spuren Martin Luthers. Doch nicht nur damals hatte der Konvent eine besondere Bedeutung. Bis heute ist das Augustinerkloster ein Ort bedeutender historischer Ereignisse: so wurde z. B. die altehrwürdige Erfurter Universität 1994 hier neu gegründet. Beim Mittagessen erfährt man dann Näheres über die Projekte. Regina Weiser vom Jugendprojekt Boje in Mühlhausen will mit ihren Jugendlichen den Vergleich zwischen der Jugend in der DDR und heute anstellen. Hatten sie sich im vergangenen Projekt zunächst noch auf "weichere" Themen konzentriert, soll es jetzt mehr um Politik und ihre Auswirkungen auf den Alltag gehen. "Die Jugendlichen haben sich ausgedacht, dass sie einen Film machen wollen. So ein bisschen wie "Sonnenallee". Mit Filmprojekten und Laiendarstellern haben wir schon Erfahrung. Das wird bestimmt toll", meint Regina Weiser. Christine Schulze vom Kinder- und Jugendpfarramt in Greitz will diesmal die "Geschichte der Glocken im Landkreis" untersuchen. Mit ihrem letzten Projekt wird sie sogar im Fernsehen zu sehen sein. Vielleicht auch, weil die Kinder in historische Kostüme schlüpften. Das soll auch diesmal wieder Teil des Projektes sein.
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Projektleiter |
Nach dem Mittagessen und der Übergabe der bereits bekannten und deshalb nicht ganz so interessanten Startersets gibt es einen Input zum Thema Motivation. Doch schnell stellt sich heraus: Die Motivation bei Jugendlichen und Erwachsenen ist sehr groß. Nicht umsonst sind alles Folgeprojekte. Oftmals gab es noch so viel Material, dass man einfach weitermachen musste, manchmal auch "der Lehrerin zuliebe", wie einige nicht ohne Stolz erzählen. Manchmal lag das Thema auch einfach auf der Straße, so wie die Sole in Bad Sulza. Yvonne Zschegner sagt zu ihrer eigenen Motivation: "Ich finde es wichtig, Kinder an ihre Heimat heranzuführen und ihnen zu zeigen, dass es überall Werte zu entdecken gibt, wenn man nur sucht. Dann bekommen sie auch ein Gespür für ihre Herkunft und vielleicht später den Wunsch dazubleiben oder zurückzukehren." Ihre 4. Klasse bearbeitet dieses Mal das Thema "Alte Spiele", weil "soviel Lust auf Geschichte da war", wie Yvonne Zschegner strahlend erzählt und "weil inzwischen sogar die Eltern motiviert sind und auch einen Teil der Finanzierung übernehmen". Fahrten in Museen oder zu historischen Orten wären ohne das Zeitenspringer-Geld meist nicht möglich. Doch alle sind sich einig, dass die größte Motivation für die Kinder und Jugendlichen die Präsentation ihrer Ergebnisse ist und somit die Anerkennung durch die Erwachsenen, die Öffentlichkeit oder den Ort große Bedeutung hat.


