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07.09.2009: Jugend-Engagement-Preis in Brandenburg verliehen
Text / Fotos: Brigitta Hafiz
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Vertreterinnen des Gewinner-Projekts |
Am 1. September wurde in Potsdam der "Jugend-Engagement-Preis in Brandenburg 2009" verliehen. Die Stiftung Demokratische Jugend und der Landesjugendring Brandenburg e.V. haben auch in diesem Jahr wieder engagierte Jugendgruppen aus Brandenburg gesucht, die durch ihre Projekte in ihrem Heimatort aufgefallen sind.
Nach einer kurzen Einführung durch Susanne Netzel vom Landesjugendring Brandenburg e.V. sprachen Vertreter und Vertreterinnen der Initiatoren des Preises ein kurzes Grußwort. Jutta Lieske, jugendpolitische Sprecherin der SPD, bedankte sich in Vertretung des Schirmherren - Landtagspräsident Gunter Fritsch - sehr herzlich bei den jungen Engagierten: "Die Jugendlichen sind ein Vorbild. Und durch ihr Engagement wird das Bild der Jugend wieder in den richtigen Rahmen gerückt." Burkhard Jungkamp, Staatsekretär im Ministerium für Jugend, Bildung und Sport, sprach von der großen Verantwortung, die die Jugendlichen gezeigt haben: "Diese Projekte machen deutlich, dass wir hier in Brandenburg eine funktionierende Bürgergesellschaft haben, eine Gesellschaft, in der alle aufeinander achten."
Aus 29 vorgeschlagenen Projekten hatte eine Jury, bestehend aus einem Jugendlichen sowie jeweils einem Vertreter oder einer Vertreterin des Ministeriums für Jugend, Bildung und Sport Brandenburg, der Stiftung Demokratische Jugend sowie des Landesjugendringes Brandenburg e.V., fünf ausgewählt. "Diese Auswahl fiel der Jury sehr schwer", betonte Johannes Zerger, Geschäftsführer der Stiftung Demokratische Jugend, "denn viele Projekte aus Brandenburg hätten einen Preis verdient."
Abgeordnete des Landtags würdigten jeweils in einer Laudatio die fünf Projekte. Für die drei dritten Plätze hielt der bildungspolitische Sprecher der CDU, Ingo Senftleben eine Laudatio, gefolgt von Klara Geywitz, bildungspolitische Sprecherin der SPD und Gerrit Große, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. Torsten Krause, Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik der Fraktion Die Linke, übergab den zweiten Preis und Jutta Lieske ehrte die Erstplatzierten.
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Publikum |
Die Jugendlichen saßen gespannt auf ihren Stühlen und warteten auf die Preisverleihung. Es war lediglich bekannt, dass sie geehrt werden sollten. Die Platzierung jedoch wurde erst während der Preisverleihung von Susanne Netzel bekannt gegeben.
Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr aus Großräschen (Nord) belegten einen dritten Platz für ihre Aktionen, die sie unter dem Motto "Vielfalt tut gut" veranstalteten: Sie arbeiteten in der Denkmalpflege, organisierten eine Lesung aus den Tagebüchern Viktor Klemperers in ihrem Ort und holten die Ausstellung "Zug der Erinnerung", in der die Geschichte der europäischen Deportation während des Nationalsozialismus gezeigt wird, nach Großräschen. Robert, Melanie, Christiane und Martin, alle zwischen 15 und 23 Jahre alt, freuen sich sehr über ihre Auszeichnung: "Es war sehr viel Arbeit, die wir uns gemacht haben", meinen sie. "Doch alle im Ort haben sich sehr positiv geäußert", sagt Martin. Mit angereist ist der Bürgermeister Thomas Zenker. "Was ich wirklich gut finde, ist, dass die Jugendlichen auch das Thema Antisemitismus aufgegriffen haben - und das in der Freizeit." Was sie mit den 400 Euro Preisgeld machen werden, wissen sie noch nicht genau, "...vielleicht eine große Weihnachtsfeier, als Dankeschön. Doch da müssen wir erst noch beraten", überlegt Martin.
Für eine ganz andere Aktion erhielten Vertreter des Kinder- und Jugendparlaments in Eichwalde ebenfalls einen dritten Platz. Marie, 18 Jahre, und Lukas, 14 Jahre, erzählen, dass die Gemeinde schon seit 11 Jahren einen Spielplatz in Eichwalde geplant hatte, "doch irgendwie ist es immer wieder gescheitert." Erst, als sie eine Demonstration für den Spielplatz organisiert haben, ist etwas daraus geworden. "Ich habe mich wirklich gewundert, wie schnell es plötzlich ging. Wir konnten bestimmen, was drauf soll auf den Spielplatz", erzählt ein Mitstreiter. Um ein friedliches Nebeneinander von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten, haben sie deshalb auch eine "Jugendecke" mit Bänken und Tischtennisplatte gefordert.
Den dritten Preis erhielt der Jugendclub Turnow. Toni, Ronny und Stephan sind Vertreter einer größeren Jugendgruppe. Ungefähr 20 Jugendliche haben innerhalb eines Jahres die Terrasse des Jugendclubs in eine Rampe umgebaut. Anlass war der Unfall ihres Freundes Michael, der sich eine Querschnittslähmung zuzog und seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen ist. "Die Planung war so schwierig", erklärt Ronny. "Es waren Richtwerte einzuhalten, die Steigung musste so gestaltet werden, dass Michael auch allein mit seinem Spezialrollstuhl hinaufkommen kann", ergänzt Toni. Nach Feierabend oder am Wochenende haben die Jugendlichen alles allein gemacht: Abriss, Aufbau und Planung, die ein ehemaliges Jugendclubmitglied, der jetzt Architekt ist, übernommen hat. Auch sie erhalten 400 Euro Preisgeld.
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Rheinsberger mit Aktionsplakat |
Der zweite Platz geht an den AWO-Jugendclub in Rheinsberg. Paul, 17 Jahre und Martin, 18 Jahre gehören zu dem spontan gebildeten Aktionsbündnis in Rheinsberg, das gemeinsam den Kauf einer Immobilie durch die NPD verhindert hat. Dazu organisierten sie eine Mahnwache, sammelten Unterschriften und überlegten, welche Aktionen noch große Wirkung haben könnten. "Plötzlich hatten wir die Idee, dass sich die Bürger doch fotografieren lassen könnten. Und es hat geklappt: Es haben sich 700 Menschen für Plakate fotografieren lassen, 1.400 Unterschriften haben wir gesammelt. Dass wir so viele Menschen in so kurzer Zeit erreichen konnten, hat mich wirklich überrascht", betont Paul. Und besonders gefreut hat die Jugendlichen, dass ihre Aktion auch auf andere Orte ausgestrahlt hat. In Lindow und Neuruppin gibt es ähnliche Projekte. Die Rheinsberger gehen mit 800 Euro nach Hause.
Den ersten Preis gewinnen Schülerinnen des Goethe-Gymnasiums Nauen, die gemeinsam mit dem Verein Mikado e.V. das Projekt "100 Friedensfrauen aus dem Havelland" umgesetzt haben. Zu der Gruppe gehören Henriette, Laura, Marike, Juliane, Franziska, Claudia, Jessica, Sarina, Annika und Lisa. Die Schülerinnen zwischen 14 und 16 Jahren hatten von ihrer Lehrerin über das Projekt "FriedensfrauenWeltweit" gehört. Angeregt von diesem internationalen Projekt, wollten sie die Arbeit von engagierten Frauen im Havelland durch eine Wanderausstellung würdigen und sichtbar machen. Dazu hörten sie sich um, annoncierten in Zeitungen und schrieben Gemeinden an. Sie besuchten die Frauen und sprachen mit ihnen. "Es waren junge und alte Frauen unter ihnen. Die jüngste war 14, die älteste über 70 Jahre. Eine Frau hat Demenzkranke begleitet, eine andere im Hospiz gearbeitet. Das fanden wir beeindruckend", berichtet Marike. Die Frauen seien sehr gerührt gewesen von dem Interesse, das die jungen Mädchen ihnen und ihrer Arbeit entgegen brachten. Aus den gesammelten Vorschlägen wählte ein Jury dann 100 Friedensfrauen aus. Die zehn Schülerinnen investierten über 1.000 Stunden in ihr Projekt. Unterstützung erhielten sie von drei Freunden, die die Aufsteller für die Wanderausstellung bauten. Was sie mit den 1.000 Euro Preisgeld machen, wissen sie auch schon: wahrscheinlich werden sie eine Friedensfrau in Dresden besuchen.


