Erfolgreiche Strategien gegen Rechtsextremismus
21.09.2008: Expertinnen und Experten tagten in Berlin
Über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen am 17. und 18. September 2008 an der ersten Fachkonferenz des Bundesprogramms "kompetent. für Demokratie - Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus" im Umweltforum in Berlin teil. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Andrea Balbach, Referentin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Expertinnen und Experten aus den landesweiten Beratungsnetzwerken kamen nach Berlin, um sich über "Modelle und Strategien in der Intervention gegen Rechtsextremismus" zu informieren und auszutauschen. Dass jedes Bundesland ein eigenes Interventionsmodell gegen Rechtsextremismus verfolgt, stellten beispielhaft Lorenz Korgel, Landeskoordinator Berlin, und Dr. Reiner Becker, Mitarbeiter der Landeskoordinierungsstelle Hessen, vor. Während Hessen sein Beratungsnetzwerk zentral über die Landeskoordinierungsstelle steuert, stehen in Berlin zwei Erstkontaktstellen für Beratung zur Verfügung: Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) und die Opferberatungsstelle ReachOut bieten Hilfen in akut bedrohlichen Situationen im Zusammenhang mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Die Vielfalt der Länderkonzepte wurde den Besucherinnen und Besuchern in einer großen Posterausstellung präsentiert. Aber egal welches Konzept die Bundesländer verfolgen - dass landesweite Beratungsnetzwerke auf den Weg gebracht wurden und erstmals in diesem Umfang staatliche und nicht-staatliche Institutionen bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus zusammenarbeiten ist der große Erfolg des Bundesprogramms. "Hier setzt das Programm in der Tat neue Akzente", so Ute Seckendorf, Projektleiterin von kompetent. für Demokratie.
Die konkrete Beratungsarbeit vor Ort stand im Fokus des zweiten Konferenzteils. Friedemann Bringt vom Kulturbüro Sachsen e. V. referierte zunächst über die notwendigen und umfangreichen Kompetenzen und Qualifikationen, die die Berater/innen für ihr Berufsfeld mitbringen müssen. Anschließend stellten Meike Moog-Steffens und Hans-Jürgen Thömen aus dem niedersächsischen Ort Schneverdingen eindrucksvoll vor, wie sich eine Stadt gegen rechtsextreme Einflussnahme zu widersetzen weiß. Nachdem der alljährliche Heidelauf im Jahr 2007 von Rechtsextremen für ihre Propaganda genutzt worden war, wollten sich die Bürgerinnen und Bürger zur Wehr setzen. Mit Hilfe der niedersächsischen Landeskoordinierungsstelle wurde schließlich das Bürgerbündnis "Bunt statt braun" gegründet, das mit viel Engagement im Jahr 2008 den erneuten Aufmarsch der Rechtsextremen verhindern konnte. Dabei wurde deutlich: Erst durch die Zusammenarbeit von verschiedenen Akteuren, wie lokaler Bürgerinitiative, der Polizei und mit Hilfe juristischer Beratung konnte dieser Erfolg erreicht werden. Gerhard Bücker von der Landeskoordinierungsstelle Niedersachsen stand während des ganzen Prozesses beratend zur Seite - nun ist das Bürgerbündnis fit genug, um Schneverdingen auch zukünftig "bunt statt braun" zu halten.
Weitere Informationen zum Bundesprogramm: www.kompetent-fuer-demokratie.de


