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Ganz nah dran: Zeitenspringer bei der Arbeit

Teil 9: Statt Popcorn gab´s Lakritz - Premiere der Dokumentation "Gestern Kino - heute Mädchenclub"

(Text/Fotos: Kai Schubert)

Berlin Pankow "Gestern Kino - heute Mädchenclub. Über die Geschichte der Berliner Str. 27-28 von 1895 bis heute." Unter diesem Titel haben 15 Mädchen des Medienpädagogischen Projekts "Tivolotte" am Programm Zeitensprünge der Stiftung Demokratische Jugend teilgenommen. Entstanden ist dabei ein sehr anrührender und kurzweiliger Dokumentarfilm. Mittwoch Abend war Premiere - und wir waren dabei.

  

Es gab weder den berühmten roten Teppich noch tauchten Horden von Fotografen die Szenerie in ein Blitzlichtgewitter. Berühmte Filmstars suchte man ebenso vergebens. Und dennoch lag ein Hauch von Hollywood-Premiere in der Luft, als die gut gelaunte Schar der Macherinnen des Films "Gestern Kino - heute Mädchenclub" vor ein gespanntes Publikum trat, um sich und ihr Projekt vorzustellen. Auch wenn die medienpädagogischen Betreuerinnen dabei um einiges routinierter auftraten als die jugendlichen Geschichtsforscherinnen - allen war der Stolz auf ihren Film ins Gesicht geschrieben. Und stolz können sie auch sein.

  

Der zwanzigminütige Film nimmt den Zuschauer buchstäblich von der ersten Sekunde an mit auf die Reise zurück in eine Zeit, als Kino noch viel mehr war als ein bloßer Zeitvertreib. Man erfährt, das man sich an einem Ort befindet, an dem Filmgeschichte geschrieben wurde. Zum ersten Mal überhaupt führten die Brüder Max und Emil Skladanowsky 1895 hier der erstaunten Öffentlichkeit etwas vorher nie da gewesenes vor - einen Film. Der Kintopp war erfunden. Auch wenn sich die beiden mit ihrer Maschine nicht gegen den Cinématographe der Gebrüder Lumière aus Frankreich durchsetzen konnten, gebührt ihnen die Ehre, den Grundstein gelegt zu haben für eine Industrie, die uns mit ihren Produkten immer wieder aufs Neue zum weinen, lachen und staunen bringt.

  

Mit Zeitzeugeninterviews, kurzen selbst inszenierten Spielszenen und Bildern aus berühmten Filmen lässt die Dokumentation der Zeitenspringer unter anderem die Ära der UFA-Filme in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder auferstehen - die Jugendzeit der meisten interviewten Zeitzeugen. Bei Titeln, die heute keiner mehr kennt, wie "Frau meiner Träume" oder "Schwarzwaldmädel" geraten alle mitwirkenden Senioren ins schwärmen. Einige der Zuschauer dürften gestern Tränen in den Augen gehabt haben, als Hannelore Munter das zerknitterte original Programmheft ihres Lieblingsfilms aus dem Jahr 1950 in die Kamera hält und davon spricht, wie ihr der Film über schwere Zeiten hinweggeholfen hat. Das Kino war für sie und die anderen ein wichtiger Teil ihres Lebens - nicht nur die Filme an sich. Auch das Haus war ein Ort, an dem sie wichtige Erfahrungen ihres damals noch jungen Lebens gesammelt haben. Im Tivoli schmuggelten sie sich heimlich in Filme, für die sie eigentlich noch zu jung waren, durften sich endlich einmal ohne Aufsicht der Erwachsenen amüsieren. Später bot die Dunkelheit des Kinosaales während der Vorführung den nötigen Schutz für den ersten Kuss mit der oder dem Geliebten.

Eine letzte Sternstunde erlebt das im zweiten Weltkrieg kaum beschädigte Haus nach der Wende 1989. Die Vorführungen von in der DDR verbotenen Filmen finden vor ausverkauften Rängen statt. Danach fällt recht bald der letzte Vorhang.
  
1994 wird das Gebäude trotz zahlreicher Proteste der Bürger, denen sich auch der bekannte Regisseur Wim Wenders anschließt, abgerissen. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Supermarkt. Ein trauriges Ende für einen buchstäblich so geschichtsträchtigen Ort.

Projektleiterin Mechtild Igel zeigt sich begeistert, dass es den Mädchen gelungen ist diesem Ort, der nur noch als kleine Fußnote der Geschichtsschreibung und in den Erinnerungen der alten Pankower Bürgerinnen und Bürger existiert, mit dem Film ein würdiges Denkmal zu setzen. Man kann ihr nur zustimmen. Es ist dem Film anzumerken, dass die Forscherinnen mit ganzem Einsatz und viel Freude bei der Sache waren. Sie haben den großen und den kleinen Geschichten des Lichtspielhauses Tivoli in Pankow nachgespürt und konnten einen wahren Schatz an Erinnernswertem zusammentragen. Alleine dafür haben sie sich den donnernden Applaus am Ende der Vorführung mehr als verdient.

  

Die nächste Station für die Geschichtsforscherinnen der Tivolotte wird der Jugendgeschichtstag am 7.11.2008 in Potsdam sein, wo sie zusammen mit den anderen Zeitenspringerteams aus Berlin und Brandenburg ihr Werk einer breiten Öffentlichkeit vorstellen werden. Aber auch das Museum Pankow hat bereits Interesse an dem kleinen cineastischen Juwel angemeldet. Es soll in die dortige Sammlung zur Geschichte Pankows aufgenommen werden.

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